|
Sie sind hier: Start / Magazin "SchwarzRote Feder" / Globale Finanzkrisen und Machtfragen (ASN, 2009)
Globale Finanzkrisen und Machtfragen In diesen Wochen und Monaten erleben wir, durch Medien und Politik inszeniert, sogenannte „schwarze Freitage“ und „schwarze Montage“ an den Börsen und Finanzplätzen der Welt. Politikerrunden treffen sich um angeblich ein neues „Finanzsystem“ zu vereinbaren : dabei geht es bildlich gesprochen lediglich darum, dieselbe Suppe mit anderem Besteck auszulöffeln. Die Suppe, die uns in den sogenannten „Industrieländern“ eingebrockt wurde, heißt Umweltzerstörung durch kapitalistische Wirtschaftsweise, Atommüll- und sonstige Müllberge, Gentechnik, Klimawandel, weitere Spaltung der Gesellschaft in wenige Superreiche und viele Existenzbedrohte und Verarmte. Eine gesellschaftliche Kultur des Elitären, verschleiert von sogenannten Sozialmaßnahmen. Eine nationale PolitikerInnenkaste, die versucht Europa und die Welt als Sprungbrett für die Vorherrschaft der eigenen Nation und des eigenen Größenwahns zu nutzen, getarnt durch Partizipationen an internationalen Treffen und Institutionen. Die Köche dieser Suppe sind Geldadel, Großindustrielle und deren Verbündete und Steigbügelhalter in Wissenschaft, Wirtschaft, Parteien und Medien - alte Bekannte also. Religiöse Heilslehren, Nationalismus und sonstige Dummheiten werden dem neoliberalen Dreck hinzugefügt, den Politiker in den von ihnen kontrollierten Medienkanälen inszenieren lassen, um Menschen von den wirklichen Verhältnissen abzulenken Beispielhaft soll die Recherche von Dschugan Rosenberg vom 22.09.2008 mit dem Titel „Operation Umbuchung“ bei de.indymedia bemüht sein, daraus verkürzt ein Zitat: „Während Kanzlerin Merkel von „Bildung als Aufgabe der Zukunft “ faselt, verballern ihre Parteikollegen die dafür notwendigen Milliarden Steuergelder sinnlos zur Rettung der IKB- Bank und ihren Pokerspielen mit Anteilen für US-Schrottimmobilien. Versehentlich werden eine halbe Milliarde Euro Steuergelder an eine US-Bank überwiesen, über deren Pleite bereits im Fernsehen berichtet wurde. Doch diese durchgeführten "Umbuchungs- Operationen" sind nicht die erste dieser Art. Die Details verraten, dass sie in kriminellen Netzwerken von Politik und Bankwesen seit vielen Jahren bewusst und erfolgreich durchgeführt werden.“ Klarer analysiert José Luis Velasco in der Novemberausgabe der Zeitung cnt:“ Der kapitalistische Sozialismus, der von allen Regierungen des Planeten in die Tat umgesetzt wurde, hat den Banken, dem Finanzkapitalismus, sämtliche öffentlichen Mittel des Staates übereignet und die zukünftigen Genera- tionen dazu verdammt, die Zeche für diesen Raub und die Plünderungen zu bezahlen, deren Ziel die Festigung eines kapitalistischen Wirtschaftssystems ist, das wir als Staatskapitalismus, Staatssozialismus, Marktkapitalismus, Marktsozi- alismus bezeichnen können, das tatsächlich aber Kapitalismus und Staat ist und die größte Umverteilung von Reichtum hinsichtlich des Ansteigens von Ungerechtigkeit und globaler Reichtumskonzentration in der Geschichte der Menschheit darstellt, hin zu einer Geldaristokratie und zu einem Besitz, welche die Welt in diktatorischer Form regieren.“ Dazu passend werden international militärische schnelle Eingreiftruppen vorgehalten, die die verlogenen Bündnisse der Herrschenden logistisch verteidigen sollen. In Deutschland wird das Grundgesetz - selbstredend ohne Abstimmung mit der Bevölkerung - durch die EU-Verfassung ersetzt, auch um Militäreinsätze besser rechtfertigen zu können. Aus der Finanzsystemkrise folgt die Wirtschaftssystemkrise, und letztlich der Ruf einer aktualisierten Analyse und nach dauerhaft geänderten gesellschaftlichen Realitäten. Eigentlich birgt jede Krise die Chance der Gefährdungsanalyse mit anschließender Zielsetzungsformulierung, Lösungsvorschlägen, Umsetzung rele- vanter Maßnahmen und anschließenden Wirkungskontrollen mit Verbesserungs- schritten. Allgemein wird solche Vorgehensweise anerkannt, in unseren Herr- schaftssystemen aber aufgrund verschiedenster „Sachzwänge“ doch nicht umgesetzt. Das gegenwärtige kapitalistische Wirtschafts- und Staatssystem ist zu verflochten, zu unentwirrbar und zu korrupt, als daß es jemals gelingen könnte, die anstehenden Probleme auch nur halbwegs gerecht und vernünftig zu lösen. Gesellschaftlich toleriert sind Systeme des legalisierten Schwindels, an dem es in der „upper class“ angesagt ist sich zu beteiligen: Steueroasen, Hedge- fonds, Sonderboni um nur einige zu nennen. Zahlen für die Schulden und Zerstörungen sollen zukünftige Generationen, nur nicht die VerursacherInnen. Durch eilig durchgezogene Finanzierungsgesetze, mit denen hunderte von Milliarden weiterer Schulden eingegangen werden, werden die Probleme und Gefährdungen für die Allgemeinheit nur weiterverschoben, von einer Runde in die nächste. Finanzmengen, welche für soziale und kulturelle Zwecke politisch nie zur Verfügung gestellt wurden, werden bereitgestellt, um Pleite- und Pannenwirt- schaft inklusive legalem Betrug zu bezahlen. Bis gar nichts mehr geht - und es kommt zum Wirtschaftskollaps. Dürfen wir Prognosen halbwegs vertrauen, so wird uns dieser 2009 erreichen. Ein Anlaß zum feiern, wenn die kapitalistischen Systeme zusammenbrechen – oder ? Was erwartet uns nach einem Zusam- menbruch ? Was danach folgt, ist leider nicht gleichzeitig ein Fortschritt. Ein Systemkollaps bedeutet nicht automatisch die soziale Revolution, sondern katastrophale, un- gerechte Fortentwicklungen, wenn diesen nicht ausreichend revolutionärer Wider- stand entgegengesetzt wird. Die schlimmsten Fortentwicklungen werden denjenigen zuerst zugemutet, die bereits jetzt in Kontinenten und Ländern leben, in denen Hunger, Not und krasse Ausbeutung ungeschminkt Wirklichkeit sind, und die sich kaum wehren können. Gleichzeitig bedroht der Klimawandel Millionen mit Hunger, Naturkatastrophen und Vertreibung. In den sogenannten Schwellenländern bleiben weiterhin Milliarden Menschen vom sozialen Fortschritt ausgeschlossen. In Europa können wir mit dem Wegfall der meisten Lebens- und Sozialstandards rechnen. Not – und Mangelwirtschaft, Lebensmittel und Grundversorgung auf staatlich erteilten Bezugskarten. Die durch Medien und Staatsschulen gelenkten, desorganisierten Massen, werden möglicherweise von denselben herrschenden VersagerInnen neue Modelle verlangen, nicht begreifend, dass nun der historische Punkt eines radikalen Schnitts erreicht ist. Linke Regierungen sind genauso korrupt und konzeptlos, wie „real existierender Sozialismus“ in Staaten wie China beweist. Und, in Europa auch möglich : Die Geschichte wiederholt sich. Wenn „starke Macher“ an die Regierungen kommen, sind Faschismus und Krieg nicht mehr weit. Die Vorboten davon erleben wir in Deutschland, wo der Polizei- und Geheimdienststaat mit nie dagewesener Effizienz hochgerüstet wird, und Demonstrationen und Widerstand mit polizeilicher-staatlicher Härte bekämpft werden, als hätte es die Erfahrungen des sogenannten „Dritten Reiches“ nie gegeben. Selbstverteidigung und Widerstand Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, sich zunächst Gedanken um Selbstverteidigung machen. Dabei können wir ebenso auf die Erfahrungen der Geschichte zurückgreifen, und sollten frühzeitig alle in Betracht kommenden Eventualitäten miteinbeziehen, um im Notfall nicht in Panik und Erstarrung verfallen zu müssen. Die Geschichte lehrt uns: es ist grundfalsch davon auszugehen, daß wirtschaftliches Versagen eines herrschenden Systems keine bedeutenden Auswirkungen auf die Beherrschten hätte. Hunger, Not und Mangelwirtschaft sind aber keine akzeptablen Nebenwirkungen einer gesellschaftlichen Wirtschaftstherapie der Herrschenden, sondern sie sind in ihrer praktischen Konsequenz ein Angriff auf uns Alle und jede/n Einzelnen/n von uns. Wer/welche angegriffen wird, kann sich nicht neutral verhalten, oder er/sie wird überrollt oder benutzt. Das wir uns nicht widerstandslos ausliefern, ist sozusagen in der Natur der Sache begründet. Die Grenzen des Widerstandes sind dort erreicht, wo Einzelnen und Gruppen die Kraft und Ressourcen dazu fehlen. Revolten, Revolution und der richtige Weg Einzelne Revolten bringen Widerstand gegen Ungerechtigkeiten zum Ausdruck, ersetzen aber nicht die nachhaltige Veränderung. Wenn wir Revolution als eine nachhaltig dauerhafte Abschaffung von Wirtschafts- und Machteinflüssen ehemaliger Eliten zugunsten einer solidarischen, alle gleichermaßen ausreichend versorgenden Ökonomie in einer klassenlosen Gesellschaft definieren, stellt sich im nächsten Schritt die Frage nach Lösungsvorschlägen dazu. Diese Lösungsvorschläge sind, allgemein gesehen, altbekannt. Schlagworte sind Kollektivierung, Selbstverwaltung, Vollversammlungen von unten als oberstes Entscheidungsgremium, Abschaffung des Geldes und Einführung des Tauschsystems zwischen Kollektiven, Genossenschaften, Kommunen und allen notwendigen sozialen Einrichtungen. Konsum- oder Umsonstläden, in denen jeder/m nach ihren/seinen Bedürfnissen zukommt, was den kollektiven Möglichkeiten entspricht. Ökologisch nachhaltig verantwortbare Produkte, statt Fastfood. Food not bombs. Selbstorganisation und Verteidigung der sozialen Revolution durch revolutionäre Komitees, nicht zu vergessen. Einen gesellschaftlichen Konsens der Kultur des solidarischen Handelns schaffen. Last BUT not least bedeutet Revolution auch etwas mehr, als nur Veränderung der Ökonomie. Die Liste ließe sich fortsetzen, die Gedanken ebenso. Anfänge sind gemacht, es gibt hunderte Gruppen und Initiativen die bereits in diese Richtung gehen, Ökonomie und Konsens solidarisch und selbstbestimmt zu organisieren. Die konkrete Beschreibung weiterer Schritte und Projekte soll nicht in diesem Beitrag erfolgen. Jede/r ist aufgerufen, dies mit anderen besprechen, sich zu vernetzen, und falls sinnvoll, auch über unser Magazin „SchwarzeRote Feder“ zu veröffentlichen. k., asn 11-08 |
|