
1. Mai 2005 Aufruf der Internationalen ArbeiterInnenassoziation (IAA):
Organisiert Euch und kämpft !
Während
wir uns dem 1. Mai nähern, sehen wir überall auf dem Globus kapitalistische
Rivalitäten und schwerwiegende Angriffe auf die Arbeitsrechte und –bedingungen.
Der Kapitalismus beutet uns nicht nur auf ökonomischer, sozialer und
kultureller Ebene aus: Die Ängste anderer ArbeiterInnen vor Jobverlust,
Menschen anderer Herkunftsländer
und Terrorismus
etc. ausnutzend, versucht das Kapital, uns für seinen ökonomischen und
militärischen Wahn zu mobilisieren. Die globale Ökonomie befindet sich in einer
sehr kritischen Situation, möglicherweise steht ihr ein Zusammenbruch des
Dollar bevor. Der US-Gedanke war, dass der Irakkrieg sich selbst bezahlen
würde, wenn nur erst das irakische Öl in den Weltmarkt einströmte. Gesteigerte
Ölproduktion hätte somit geringere Ölpreise bedeutet und wichtige OPEC-Länder
wie Saudi-Arabien, Venezuela und Iran hätten deutlich rückläufige öffentliche
Einnahmen zu verzeichnen gehabt. Heute sehen wir, wie das Gegenteil sich
bewahrheitet hat: Enorme Kosten des Krieges im Irak (und Afghanistan), hohe
Ölpreise und sinkende Profite, dies alles spielte eine Rolle bei der
Verstärkung des ohnehin beträchtlichen US-Defizits.
Die
erdölexportierenden Länder werden nicht dabei zusehen, wie ihr Profit sinkt,
während das Öl in Dollar pro Barrel gehandelt wird. Der Wertrückgang des Dollar
lässt sie den Ölpreis anheben und den vergleichsweise starken Euro mehr und
mehr als Alternativwährung für Erdöltransaktionen betrachten. Ungeachtet
dessen, sehen sich Länder mit sich entwickelnder Ökonomie und beträchtlichen
Dollarreserven der Bedrohung großer Verluste, verursacht durch Wertminderung
des US-Dollar, gegenüber. Wir haben demzufolge in vielen Ländern den Umtausch
der Bankreserven von Dollar in Euro beobachtet.
Durch
die Energiesituation wird die Lage noch dramatisch verschlimmert, so warnt der
Internationale Währungsfond bereits vor Problemen, die bei der Belieferung
langfristig auftreten können. Dem IWF zufolge, steht die Welt, wegen dringender
Nachfrage nach Erdöl von wirtschaftlich aufstrebenden Ländern und begrenzten
Angebots von Ländern außerhalb der OPEC, am Rande eines „permanenten Ölschocks“
und hoher Preise für Erdöl.
Tritt
diese Situation jetzt in Erscheinung und nicht erst ab 2010, wie vorausgesagt,
wird sie im wahrsten Sinne des Wortes Öl ins Feuer der Rivalitäten kapitalistischer Kräfte gießen
und dadurch die Ausbeutung der ArbeiterInnen vermehren.
Diese
kapitalistischen Rivalitäten laufen in allen Kontinenten des Globus ab. Im
Lichte der genannten Krise handeln die kapitalistischen Kräfte wie Öl-Junkies,
die verzweifelt versuchen, ihre gegenwärtigen und zukünftigen Energiequellen zu
sichern. Sie wissen, dass diejenigen, die die Energiequellen und Zulieferungswege
kontrollieren, die Rivalen kontrollieren, da Erdöl und –gas das Herzblut des
Kapitalismus sind.
Die
Veränderungen in Georgien und der Ukraine stellen gewichtige Siegesstationen
für die USA dar. Georgien ist ein Transitland für die bald fertiggestellte Baku
(Aserbaidschan)- Tbilisi (Georgien)- Ceyhan (Türkei) Pipeline, die neben
Georgien auch durch kurdische Regionen verläuft, Russland und Iran jedoch
ausspart. Die Ukraine, als Haupttransitland für russisches Erdöl in die EU,
wird wie die neuen EU- und NATO Mitgliedstaaten von den USA als Pufferzone
genutzt werden, um russische und französisch/deutsche Interessen zu
unterwandern.
Der
wahre Alptraum der USA und der imperialistischen Kräfte ist, dass ihre
derzeitigen und zukünftigen Energielieferanten in immer größerem Maßstab von
feindlichen und/oder „instabilen“ Ländern abhängig werden. Die Strategie der
USA, jene Länder im eurasischen Korridor zu kontrollieren, der durch Osteuropa,
Zentral- und Ostasien verläuft, ist daher ein bedeutungsvoller Zusatz zum
„Bogen der Instabilität“, wie er genannt wird.
Die
USA betreiben eine Menge an Aktivitäten gleichzeitig in diesem „Bogen der
Instabilität“. In Lateinamerika angefangen, wo sie versuchen, den blutigen Plan
Columbia zu militarisieren und der Andenregion aufzuzwingen, über Afrika, wo
sie mit hoher Geschwindigkeit ihre Präsenz vermehren, durch den Mittleren Osten
mit der Irakbesatzung und der Drohung gegen Syrien, bis hin zum
Afghanistankrieg in Zentralasien und nach Südostasien wo sie gegen Nordkorea
eine Drohkulisse aufbauen und sich der aufstrebenden Macht China
entgegenstellen.
Besondere
Aufmerksamkeit muss dabei dem Mittleren Osten und dem Persischen Golf gezollt
werden, wo die USA sich darauf vorbereiten, aus der Luft Attacken gegen
strategisch-militärische Ziele im Iran durchzuführen sowie gegen vermutete
nukleare, chemische und biologische Waffenproduktionsstätten, um einen
Regimewechsel in diesem Land zu erzwingen. Nach Angaben des US
Veteran-Journalisten Seymour Hersh benutzt die Bush-Administration das Pentagon
statt des CIA für geheime Aktionen im Iran, um dem Kongress nicht Bericht
erstatten zu müssen.
Die
vorbereiteten Aktionen gegen den Iran haben, wie im Krieg gegen den Irak, einen
sehr wichtigen und versteckten Grund. Das Saddam Hussein Regime wurde
definitives Ziel, als sie ihre Erdöltransaktionen nicht mehr in Dollar, sondern
in Euro tätigten. Der Iran hat seit mindestens 2003 in Betracht gezogen, einen
Handel von Ölvorräten in Euro durchzuführen. Am 16. Juni 2004 berichtete der Guardian,
dass dieser Plan 2005 umgesetzt werden solle.
Jetzt
ist der Plan, nach Alexander Gas & Oil, auf für den August 2005 festgelegt.
Wenn es in die Praxis umgesetzt wird, wird das den IPE in London und den NYMEX
in New York stark unterwandern und Bremsklötze in die Finanzwelt treiben, denn
der auf Petrodollar basierende Handel ist einer der Grundpfeiler der
ökonomischen Hegemonie der USA. Wenn wir das US Defizit und den schwachen
Dollar mit in Betracht ziehen, wird klar welch immense Bedrohung die Vorhaben
Irans für die USA bedeuten, und dass sie alles daran setzen werden, dies zu
verhindern.
Wir
sollten nicht darüber verwundert sein, das Krieger wie Scharon und Bush sich
als Friedenstauben darstellen. Die „Road Map for Peace“ lässt Palästinensische
Territorien von einer Mauer umschließen und im März 2005 kontaktierte eine
Anzahl ausländischer Konsortien (hauptsächlich aus US-Investoren bestehend)
israelische Regierungsagenturen und den Regierungsbetrieb „Petroleum and Energy
Infrastructures“ und machte den Vorschlag, die Ölpipeline von Haifa nach Irak
zu erneuern, die durch Jordanien verläuft.
Diese
Pipeline ermöglicht es, zentrale strategische Interessen in die Praxis
umzusetzen. Sie kann die israelische Energiekrise lösen und Erdöltransport in
die EU und USA sichern. Dieser Plan jedoch, wie andere im Mittleren Osten,
setzt voraus, dass das „feindliche“ Regime in Syrien geschwächt oder beseitigt
wird sowie einen Irak, in dem der Widerstand, vor allem die Sabotage von Gas-
und Ölpipelines, gebrochen wird.
Dieses
strategische Projekt einer Pipeline zum Mittelmeer gewinnt im Licht der
Vorbereitungen gegen den Iran noch mehr an Bedeutung, da die USA und die EU
mehr und mehr Unabhängigkeit von Schiffstransporten durch die Meerenge von
Hormuz anstreben. Der Iran hatte gedroht, diese Meerenge im Falle eines
Angriffes zu blockieren, um somit die Ölpreise in nie dagewesene Höhen zu
treiben.
In
solchen Zeiten ist es wichtig, die Motive der kapitalistischen Kräfte zu
enttarnen. Die EU ist kein sanfter und humanistischer Block, der sich den USA
entgegenstellt, und Russland ist ein repressiver Staat, der beispielsweise den
Krieg in Tschetschenien fortführt. Die US Militärkräfte haben mit ihrer
Teilnahme an der Unterstützung für die Opfer des tragischen Tsunami eindeutig
ihre Anwesenheit in dieser Region demonstriert. Die Meerenge von Malacca ist
dort die bedeutende kritische Seeverbindung zwischen Persischem Golf und
Ländern wie Südkorea, Japan und China.
China
mit seinen derzeitigen und zukünftigen riesigen Bedarfsmengen an Energie wird
mehr und mehr als strategischer Gegner der USA angesehen, da sie die USA auf
der „Seidenstraße“ in Asien herausfordert, enge Verbindungen zum Iran unterhält
und sich den USA in Afrika und Lateinamerika entgegenstellt. In Lateinamerika
haben Brasilien und Venezuela Verabredungen getroffen, den Ölexport nach China
zu erhöhen, während China den Handel von Waffen und herkömmlichen Gütern in den
Kontinent verstärkt betreibt.
Reibungspunkte
zwischen USA und EU sind in der Politik gegenüber Iran und China klar
erkennbar. In der Iranfrage wird die EU eine gemäßigtere Haltung einnehmen als
die USA, und was China betrifft stellt sie sich den USA entgegen mit der
Forderung nach Aufhebung des Waffenembargos. Die USA befürchten EU Allianzen
mit Russland, das große Energievorräte besitzt, sowie den Aufbau von
Verbindungen mit Lateinamerika und Ländern wie Indien und China in Asien.
Die
Taktik der USA, Europa in ein „altes“ und ein „neues Europa“ zu zerteilen,
wurde vor dem Irakkrieg und in der Anfangsphase deselben offen zur Schau
gestellt. Die Fälle Irak und Ukraine zeigen, dass die USA versuchen, alle
Energiequellen und Transportverbindungen von potentiellen Herausforderern der
US Hegemonie zu kontrollieren. Die EU expandiert und ist, was den Handel
betrifft, bereits eine Supermacht, militärisch jedoch vergleichsweise schwach.
Darum versucht dieser Block nun, militärische und ökonomische Integration sowie
„Reformen“ durch die vorgeschlagene Verfassung voranzutreiben.
In
Europa lautet die kapitalistische Regel, wie in allen Teilen der Welt,
expandiere oder stirb. Die Offensive, die wir weltweit gegen die öffentlichen
Dienste beobachten, öffnet Märkte und Kapital für Privatunternehmen. Viele
Regierungen der Welt schauen auf Großbritannien, da die Blair Regierung, wie
Schätzungen sagen, so weit geht, dass dort ein Fünftel der öffentlichen
Dienstleistungen bis 2006/2007 vom privaten oder „freiwilligen“ Sektor bedient
werden können.
Ein
weiterer globaler Trend ist, dass dauerhafte Jobs zu befristeten umgeändert
werden, und dass die dauerhaften Jobs weniger geschützt sind. Die Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) benutzt 22
Indikatoren um den Grad der Beschäftigungssicherheit in verschiedenen Ländern
zu vergleichen. Angriffe sind so bei Entlassungen auszumachen, Verfahren,
Abfindungen für Entlassungen aus regulären Verträgen, die nicht aus
Fehlverhalten resultieren und natürlich die ganze Bandbreite der Zeitarbeit,
die Arbeitgeber der Arbeitswelt aufstülpen können.
Eine
der Formen der Zeitarbeit wird durch Zeitarbeitsagenturen geschaffen, die als
multinationale Konzerne durch Sklavenarbeit ihren Profit erwirtschaften. Neben
ihrer Funktion, Arbeitskräfte zu zerteilen, werden sie mehr und mehr
politischen und internationalen Einfluss auf den sogenannten „Krieg gegen den
Terrorismus“ erlangen. Die bürokratischen und reformistischen Gewerkschaften
(in Deutschland repräsentiert vom DGB, A.d.Ü), die von gesetzgeberischer Hilfe
und Unterstützung von denjenigen angewiesen sind, die diese Angriffe
durchführen, müssen entweder aufgeben oder kämpfen. Wenn sie überhaupt
mobilisieren, sind sie zum Scheitern verurteilt, da sie nicht geschaffen sind,
um Angriffen auf breiter Front zu begegnen und sich auf die eigene Stärke zu
verlassen. Auf diese Weise werden reformistische Gewerkschaften zu
Dienstleistungsanbietern und Lasten auf den Rücken der ArbeiterInnen, keine
freien Werkzeuge für Emanzipation und Eigenaktivität.
Die
einzige wirkliche „Berufssicherheit“, auf die wir uns als ArbeiterInnen
verlassen können, kommt von uns selbst, von der Solidarität und den Aktionen,
die wir selbst zu verwirklichen im Stande sind. Im Gegensatz zu den
reformistischen Gewerkschaften, weist die Internationale ArbeiterInnen
Assoziation (IAA) die Integration in das kapitalistische System zurück. Wir
arbeiten nicht mit herrschenden Klassen zusammen, wie z.B. durch
„Gewerkschaftswahlen“ nach staatlichem Schema. Wir haben keine bezahlten
Funktionäre, wir erhalten keine Subventionen von unseren Gegnern.
Da
die Angriffe von vielen Seiten kommen, kämpft die IAA auf der ökonomischen,
sozialen, kulturellen und anti-militaristischen Ebene. Der
anarchosyndikalistische Zusammenhang der Internationalen ist essenziell, da die
Kämpfe auch Kämpfe für ein anderes System sind. Das Ziel der IAA ist,
Kapitalismus und Staat durch freie Föderationen von freien Zusammenschlüssen
der ArbeiterInnen zu ersetzen- durch den libertären Kommunismus.
In
diesen repressiven Zeiten des „Krieges gegen den Terrorismus“ müssen wir daran
erinnern, dass der 1. Mai in Gedenken an die Haymarket Märtyrer
begangen wird. Diese AnarchistInnen wurden verfolgt, um die Streikbewegung für
den 8 Stunden Tag in Chicago 1886 zu beenden. Sie wurden ungerechtfertigt
beschuldigt, eine Bombe zur Explosion gebracht zu haben, mit dem heutigen
aggressiven, militaristischen Kapitalismus kann dies wieder geschehen.
Der
Titel des 22. IAA-Kongresses, der im Dezember 2004 in Granada stattfand,
lautete „Kein Krieg zwischen den Menschen – Kein Frieden zwischen den Klassen“.
Die Delegierten diskutierten Aktionen gegen die kapitalistischen Kriege (Irak,
Tschetschenien, Kolumbien etc.), trafen eine interne Koordinierungsentscheidung
und verfassten eine spezielle Erklärung gegen den Krieg
in Kolumbien.
Der
Kongress entschied, der Unterstützung der IAA-Sektionen und FreundInnen in
Lateinamerika Priorität einzuräumen und koordinierte Aktionen gegen
Zeitarbeitsagenturen vom 15.04. bis 01.05.2005 durchzuführen. Mit dem Titel
„Internationale Aktionen gegen Zeitarbeit!“ werden diese derzeit organisiert.
Der
Kongress entschloss, dass die IAA sich selbst und den Anarchosyndikalismus
gegen die Versuche verteidigen müsse,
Parallelstrukturen/Parallelinternationalen aufzubauen und gegen Organisationen,
die unkorrekterweise unsere Initialen (AIT-IWA) verwenden. Darüber hinaus wird
die IAA die Anstrengungen intensivieren, die IAA und den Anarchosyndikalismus
auf weitere Länder auszuweiten. Der Kongress akzeptierte die
Anarcho-Syndikalistische-Initiative (Serbien) als neue Sektion und die Anarcho-Syndikalistische-Initiative
(Israel/Palästina) als befreundete Gruppierung.
In
der Nachfolge des Kongresses hat die ASI (Israel/Palästina) die IAA informiert,
dass sie sich als Gruppe aufgelöst hat. Stattdessen hat die Gewerkschaft GWU in
Pakistan um Aufnahme gebeten. Eine Gruppe in Guatemala sagt, sie wolle den mit
der IAA befreundeten Status. Die USW in Slowenien, die ASK in Kroatien und die
große Gewerkschaft FSPNI in Indonesien informierten uns, dass sie
geschwisterliche Verhältnisse zu uns wollen, um eine Mitgliedschaft in Erwägung
zu ziehen.
Gegen
die kapitalistische Ausbeutung:
Organisiert
Euch und kämpft!
Lang
lebe die IAA!
Oslo,
20. April 2005
Internationale
Arbeiter Assoziation (IAA)-Sekretariat
Dt
Übersetzung:
Allgemeines
Syndikat Nordhessen – asn-