Mobbing - der
blanke Hass
Mobbing, ob auf dem Schulhof, auf der Arbeit oder
zuhause, ist zur neuen gesellschaftlichen Krankheit geworden.
Regierungsbehörden, Agenturen, Lehrer/innen und alle möglichen
Spezialist/innen sind nun bei der Hand, um die Ursachen für
Mobbing zu erklären und wie wir damit umgehen sollen.
Wir
vom Netzwerk der Bildungs-Arbeiter/innen (Education Workers'
Network) bestreiten nicht die Tatsache, dass besonders Mobbing am
Arbeitsplatz schon lange ein Thema für die Gewerkschaften
geworden ist. Doch Mobbing - meistens vom Management gegen die
Arbeiter/innen, aber manchmal auch zwischen den Arbeiter/innen - gibt
es schon seit Ewigkeiten.
Aber was alle diese Spezialist/innen
und Berater/innen bei den Gewerkschaften sich - warum auch immer -
meistens weigern einzugestehen, sind die gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Ursachen für diese Taten. Es geschieht nicht
einfach weil jemand keine nette Person ist. Es geschieht, weil unser
Arbeitsplatz und unsere Leben grundsätzlich von Rangordnungen
und Machtsystemen durchzogen sind, die es einigen ermöglichen
Herrschaft über andere auszuüben. Eine Kultur der
Vereinzelung und des Karriere-Leiter-Hochkletterns, sowie der Mangel
an Solidarität mit unseren Kolleg/innen am Arbeitsplatz - all
das trägt schwer zu einem Klima des Mobbens bei.
Mobbing
ausschließen
Die größte
Hochschul-Gewerkschaft in Britannien, die UCU [University and
College Union], hat zum Beispiel letztens einen "Tag gegen
Mobbing" veranstaltet, um dessen Folgen und mögliche
Gegenaktionen aufzuzeigen. Einverstanden! Aber wie lange noch müssen
wir selbst Manager/innen in unseren eigenen Gewerkschaften ertragen?
Der erste Schritt, um Mobbing zu verhindern, wäre es, diese
Machtstrukturen loszuwerden, die Mobbing hervorbringen. Die UCU und
die meisten anderen Gewerkschaften werden das voraussichtlich nicht
tun. Es gehört noch nicht einmal zu ihren Forderungen. Daher
müssen wir, wenn wir uns über Mobbing aufregen, dessen
Ursachen herausfinden und dann gleichberechtigte Organisationen ohne
Rangordnungen aufbauen, die dann Mobbing hart bekämpfen.
Der
erste Schritt ist, dass wir Arbeiter/innen uns klar darüber
werden, dass wir mit dem Management nichts gemeinsam haben.
Mananger/innen dürfen nicht in der gleichen Gewerkschaft mit uns
sein. Dann können wir das Problem angehen, auf der Grundlage von
Solidarität und gegenseitiger Rücksichtnahme mit unseren
Kolleg/innen.

Was halten wir von Manager/innen in unserer
Gewerkschaft?
Das Education Workers Network (EWN) ist
ein Netzwerk für Bildungs-Arbeiter/innen. Es schließt
ausdrücklich Leute aus, die im Managament arbeiten, also die
Macht zum Einstellen oder Kündigen haben. Im heutigen
Bildungssystem wird das Management regelmäßig an die
unterste Ebene übergeben, meistens an Leute, die kaum mehr Macht
haben als die schlechten Nachrichten vom oberen Management weiter zu
vermitteln. Wo es früher eine/n Manager/in für dreißig
Arbeiter/innen gab, scheint es heutzutage nun eine/n für drei
bis fünf Arbeiter/innen zu geben. Das hat
Dienstleistungsgewerkschaften, wie Unison, die größte
britische Gewerkschaft im Öffentlichen Dienst, oder die
Hochschulgewerkschaft UCU dazu gebracht mehr und mehr Manager/innen
als Mitglieder aufzunehmen.
Das Ergebnis dieser Strategie ist,
dass manchmal Gewerkschaftsabteilungen von Leuten geleitet werden,
die gleichzeitig in Führungspositionen am Arbeitsplatz sind. Das
kann Situationen hervorbringen, in denen Arbeiter/innen sich im
Streit mit eine/r Manager/in befinden, der/die gleichzeitig ein/e
bekannte Gewerkschaftsaktivist/in ist. In einer Einrichtung, in der
einige Aktivist/innen des EWN arbeiten, ist ein ehemaliger
Gewerkschaftspräsident nun außerdem führender
Manager. Und im Namen des Managements unterstützte er die
Auslagerung eines Teils der Dienstleistungen und handelte damit
direkt gegen die Interessen der Arbeiter/innen.
Das Education
Workers' Network hat zum Ziel ein Netzwerk zwischen
Bildungs-Arbeiter/innen an der betrieblichen Basis aufzubauen. Ein
Netzwerk, dem die Ideen von Selbstverwaltung, Eigenaktivität und
Teilnahme an einer demokratisch aufgebauten Organisation zugrunde
liegen. Auch Mitglieder des Managements in dieses Netzwerk
aufzunehmen, widerspräche diesen Ideen. Es wäre
selbstzerstörerisch. Daher kann niemand, der/die in der Lage ist
Arbeiter/innen einzustellen oder zu kündigen, ein Mitglied des
EWN werden.
aus:
Education Worker, Rundbrief des
Education Workers' Network,
der Solidarity Federation
(SolFed-IAA), 2008, Ausgabe 2,
c/o News From Nowhere,
96 Bold
Street,
Liverpool, L1 4HY,
Britain,
http://www.ewn.org.uk
Über
das Netzwerk der Bildungs-Arbeiter/innen:
Das Education
Workers' Network (EWN) offen ist für alle Arbeiter/innen im
Bildungsbereich, ob Hausmeister/innen, Lehrer/innen,
Reinigungskräfte, Verwaltungsangestellte, Techniker/innen oder
was auch immer.
Das EWN versucht durch seine Arbeit alle im
Bildungsbereich zu unterstützen, und zwar durch Selbst-Bildung
und Aktivitäten. Das Fernziel ist der Aufbau einer
revolutionären Arbeiter/innen-Bewegung nach dem Modell des
Anarchosyndikalismus. Die Rolle des EWN als Teil der Solidarity
Federation (SF) und der Internationalen Arbeiter/innen-Assoziation
(IAA) ist wichtig, um die Bildung in einen größeren
Zusammenhang zu setzen und, um Verbindungen zwischen den einzelnen
Branchen und rund um den Globus aufzubauen.
Mehr Informationen
(in Englisch) zum Nachlesen und Weiterverteilen gibt es hier:
http://www.ewn.org.uk
Solidarity Federation
(SolFed-IAA),
SolFed
Contact Point, PO
Box 29, SW PDO,
Manchester M15 5HW,
solfed@solfed.org.uk,
http://www.solfed.org.uk
Internationale Arbeiter/innen-Assoziation (IAA),
http://www.iwa-ait.org

Übersetzung:
Anarchosyndikat Köln/Bonn,
c/o Buchladen "Le Sabot",
Breite Str. 76, D-53111 Bonn,
http://anarchosyndikalismus.org/educat,
2008